Meilenstein im Programm Nationale Datenbewirtschaftung NaDB

Um Privatpersonen und Unternehmen die Zusammenarbeit mit der öffentlichen Hand zu erleichtern, will der Bundesrat die Mehrfachnutzung von Daten effizienter und einfacher gestalten. Das Ziel: Informationen sollen den Behörden nur noch einmal gemeldet werden. Mit dem Go-Live der I14Y Interoperabilitätsplattform legen das BFS und BIT als IT-Partner den Grundstein für die gemeinsame Nutzung von Daten über alle Staatsebenen hinweg.

Daten sind der Treibstoff der Digitalisierung – und eine gute Datengrundlage ist die Basis für die digitale Transformation der Verwaltung. In der Schweiz werden Daten auf Bundes-, Kantons- und Gemeindeebene erhoben und verwaltet. Das führt heute noch oft zu Mehrfacherhebungen, die für Unternehmen und Bevölkerung Aufwand generieren.

«Once Only»-Prinzip statt Mehrfacherhebung

Damit soll künftig Schluss sein. Die vom Bundesrat verabschiedete E-Government Strategie Schweiz sieht vor, das «Once Only»-Prinzip in der öffentlichen Verwaltung zu etablieren. Konkret bedeutet das: Privatpersonen und Unternehmen sollen einerseits Behörden ihre Daten nur noch einmal melden, was den Aufwand auf beiden Seiten verringert. Andererseits sollen diese Daten so aufbereitet sein, dass sie mehrfach genutzt werden können.

Ein Beispiel: Das BFS stellt Lohnstatistiken mit detaillierten Informationen über die Lohnniveaus und die Lohnverteilung in der Schweiz zur Verfügung. Seit der Revision der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung des BFS im Jahr 2012 werden nicht mehr alle dazu notwendigen Variablen direkt bei den Unternehmen erhoben – diese Informationsquellen liegen dezentral, z. B. im AHV-Register oder den Pensionskassen. Ziel ist nun, die dezentral vorliegenden Informationen und die entsprechenden Qualitätskriterien für die Lohnstatistiken zu definieren, die Mehrfachnutzung der Daten zu vereinfachen und somit bei Unternehmen den Aufwand der Datenlieferung zu minimieren.

Um die Mehrfachnutzung von Daten zu ermöglichen, müssen zunächst die nötigen Grundlagen geschaffen werden. «Das BIT arbeitet mit dem BFS an der Entwicklung der technischen Systeme», sagt BFS-Programmleiterin und Vizedirektorin Manuela Lenk. «Das Herzstück ist dabei die I14Y Interoperabilitätsplattform*.»

Harmonisierung von Daten als Grundvoraussetzung

Die I14Y Interoperabilitätsplattform gibt Auskunft darüber, wo welche Daten vorhanden sind, und ist eine Art Katalog der dezentralen Datentöpfe bei den verschiedenen Bundesämtern, Kantonen oder Gemeinden. Denn auch künftig werden die lokalen Datensammlungen bei den zuständigen Verwaltungseinheiten bleiben.

Die I14Y Interoperabilitätsplattform beinhaltet nicht die Datensätze selbst, sondern ist ein zentrales Verzeichnis der Metadaten. Diese Metadaten müssen für alle Datensätze auf einheitliche Art und Weise erfasst werden. Die Harmonisierung der Metadaten ist daher eine Grundvoraussetzung für das «Once Only»-Prinzip. Die Metadaten beschreiben auf eine einheitliche Art und Weise die Struktur, die Qualität und den Kontext der Daten. «So besteht die Möglichkeit zu prüfen, ob ein Datensatz bereits an einer anderen Stelle in der nötigen Qualität vorhanden ist», sagt Manuela Lenk.

Ein weiterer Aspekt ist die technische Interoperabilität. Hier gilt es die verschiedenen Systeme über einheitliche Schnittstellen und Standards zu verbinden, damit ein Austausch von Daten möglich wird. So soll es künftig möglich sein, einen dezentral gehaltenen Datensatz zu finden und mit den nötigen Rechten unter Einhaltung des Datenschutzes über die entsprechenden Schnittstellen (API) beim Datenhalter darauf zuzugreifen. Damit dies gelingt, ist auch die Harmonisierung der Daten selber von entscheidender Bedeutung.

Interoperabilitätsplattform mit ersten Metadaten online

Mit dem Go-live der I14Y Interoperabilitätsplattform (www.i14y.admin.ch) am 30. Juni 2021, hat das Programm einen wichtigen Meilenstein erreicht. Die Plattform bietet in einem ersten Schritt ein Verzeichnis der harmonisierten schweizerischen Berufsnomenklatur, welche vom BFS oder den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV), aber auch zu administrativen Zwecken bei Bund und Kantonen verwendet werden kann.

Komplexe Datensätze lassen sich nicht in einfachen Tabellen darstellen. Metadaten ermöglichen, das Potenzial der Daten besser zu nutzen. Genau dieses Potenzial soll der Labs-Bereich der I14Y Interoperabilitätsplattform aufzeigen. Ein erstes Beispiel ist der I14Y SVIZ Graph. Dieser ist ein experimentelles Instrument, mit welchem sich auch grosse Netzwerke visuell darstellen lassen. Der I14Y SVIZ Graph zeigt Vorhaben, Motionen und Gremien der Digitalisierung sowie deren Verbindungen in der Bundesverwaltung.

Die nächsten Schritte bei der Weiterentwicklung der I14Y Interoperabilitätsplattform umfassen die Aufschaltung von weiteren Nomenklaturen. Im Rahmen des Programms NaDB werden in verschiedenen Pilotprojekten die Standardisierung und Harmonisierung von Daten zu Löhnen, Berufsbildern, Steuern oder zur Gesundheitsversorgung vorangetrieben.

Agile Vorgehensweise in Grossprojekten – das BIT bringt seine Expertise ein

Das BIT unterstützt das BFS nicht nur bei der Entwicklung der I14Y Interoperabilitätsplattform und damit bei der Durchführung einer Business Analyse und der Erarbeitung der technischen Anforderungen durch das Business Requirements Engineering. Neben der technischen Realisierung steht auch die Schulung der agilen Methoden im Zentrum. Die I14Y Interoperabilitätsplattform ist eines von mehreren Vorhaben im Programm NaDB. Diese Vorhaben werden im Rahmen des Statistischen Informationssystems (SIS) agil entwickelt. Mehr als elf agile Teams mit insgesamt rund hundert Personen arbeiten in einem Agile Release Train unter der Leitung des BIT. Auch nach der Entwicklung wird sich ein Team aus BIT- und BFS-Mitarbeitenden gemeinsam in einem DevOps-Team um den Betrieb und die Weiterentwicklung der Interoperabilitätsplattform kümmern. «Das BIT hat viel Erfahrung mit agilen Methoden wie SAFe aus den Grossvorhaben FISCAL-IT, DaziT oder SUPERB gesammelt», so Rina Dey. Mit gezielten Schulungen in den agilen Arbeitsmethoden und Rollen wie Product Owner oder Product Manager hat das BIT dieses Know-how an die BFS-Kolleginnen und -Kollegen weitergegeben.

* Warum heisst die Interoperabilitätsplattform «I14Y»?

«Interoperabilität» oder in Englisch «Interoperability» sind keine geläufigen Begriffe. Da stellt sich die Frage nach einer einprägenden URL, um einfach zur Interoperabilitätsplattform zu gelangen. Die Projektmitarbeitenden haben eine passende Lösung gefunden: www.i14y.admin.ch. Dabei lehnen sie sich an die Leetspeak, die ursprünglich dafür eingesetzt wurde, um zu verhindern, dass Daten automatisch von Computern ausgelesen werden können. Leetspeak dient somit als eine Art von Verschlüsselung. Die Buchstaben einzelner Wörter werden durch Zahlen oder Sonderzeichen ersetzt, so dass ein technisches System diese nicht automatisch auslesen kann. Bei I14Y steht das «I» für den ersten und das «Y» für den letzten Buchstaben des Begriffs «Interoperability». Die Zahl «14» repräsentiert die Anzahl Buchstaben zwischen dem ersten und letzten Buchstaben. Leetspeak ist vor allem in der Gaming-Community verbreitet. Weitere Informationen zum Programm Nationale Datenbewirtschaftung (NaDB): https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/nadb/nadb.html


BIT-Kontakt:

Rina Dey
Program Manager BFS
Tel.: 058 461 12 95

Text: Daniel Wunderli / Georg Preisig


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