«Mut, die digitale Transformation anzugehen»

Die Bundesverwaltung im Umbruch: Die Tagung Bundesinformatik 2019 stand ganz im Zeichen der digitalen Transformation.            

Die digitale Transformation steht auch dieses Mal im Fokus der Tagung Bundesinformatik. Bereits an den letzten beiden Veranstaltungen hat das Thema die Besucherinnen und Besucher beschäftigt. «Damals haben wir uns vom Beispiel Dänemark inspirieren lassen oder mit Digitalisierungsvorhaben in den Kantonen auseinandergesetzt», sagt Peter Fischer, Delegierter für die Informatiksteuerung des Bundes bei der Begrüssung der über dreihundert Besucherinnen und Besucher im Stade de Suisse. «Heute werfen wir gemeinsam einen genaueren Blick auf die digitale Transformation in der Bundesverwaltung.»

«Seien Sie mutig und bringen Sie Ihre Ideen ein»

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Bundespräsident Ueli Maurer

Zum Auftakt der Tagung teilte Bundespräsident Ueli Maurer seine Gedanken zur digitalen Transformation mit dem Publikum: «Wir befinden uns in einer Zeit des Umbruchs. Ein chinesisches Sprichwort sagt: Wenn der Wind der Veränderung weht, dann bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen.» Noch zu oft werde in der Bundesverwaltung der digitalen Transformation mit dem Hochziehen von Mauern begegnet, statt die damit verbundenen Chancen zu nutzen. 

Damit die Bundesverwaltung von den technischen Möglichkeiten profitieren kann, müsse sich der Dialog zwischen der Informatik, den Fachämtern und der Politik intensivieren. Aber auch ein bisschen Risikobereitschaft gehöre dazu. «Vielleicht bietet sich Ihnen in einem Projekt die Möglichkeit, einfach mal einen Geschäftsprozess auf eine andere Weise zu denken. Geben Sie sich vier Wochen Zeit und probieren Sie aus, ob Ihr Lösungsansatz funktioniert.» 

Die Bundesverwaltung sei auf dem richtigen Weg der digitalen Transformation, wenn auch nicht so schnell, wie das zu wünschen wäre. «Sie sind die Experten und kennen die technischen Möglichkeiten», so Ueli Maurer. «Bringen Sie sich aktiv in die Diskussion ein und schlagen Sie alternative Lösungsvarianten vor, damit wir die Chancen in dieser spannenden Zeit des Umbruchs nutzen können.»

Geschäft und Informatik als Partner

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Peter Fischer, Delegierter für die Informatiksteuerung des Bundes

Für Peter Fischer ist ebenfalls klar, dass die digitale Transformation eine enge Zusammenarbeit zwischen Geschäft und Informatik erfordert. «Wir wollen die Kunden von unseren Leistungen begeistern. Sie sollen – unabhängig von Geschäftszeiten – digitale und durchgängige Services von uns beziehen können. Wenn wir uns fragen, wie wir Geschäftsprozesse gestalten müssen, um dieses Ziel zu erreichen, haben wir schon einen wichtigen Schritt gemacht.» 

Damit das gelinge, brauche es eine Kombination von Fähigkeiten, die Informatik sei nur ein Teil davon: Genau so wichtig seien Kundenzentrierung sowie der Wille des Geschäfts und der Informatik, die Herausforderungen als Partner gemeinsam anzugehen. 

Eine Chance zur Veränderung biete sich geradezu an: «Bis 2023 müssen über ein Drittel unserer Fachanwendungen technisch erneuert werden: Das ist die Gelegenheit, Geschäftsprozesse neu zu gestalten und einen Beitrag zur digitalen Transformation zu leisten», so Peter Fischer. 

Geschäftsfälle durchgängig digital bearbeiten

Ein weiterer Puzzlestein für die Digitalisierung der Bundesverwaltung ist das Programm GENOVA. Vizebundeskanzler Viktor Rossi, Markus Meewes, Leiter des Programms GENOVA bei der Bundeskanzlei und Felix Moser, stellvertretender Leiter GENOVA, haben aufgezeigt, wo die Einführung des einheitlichen elektronischen Geschäftsverwaltungssystems Acta Nova steht und welchen Beitrag es zur digitalen Transformation der Bundesverwaltung leisten kann. Aktuell arbeiten rund 1300 Mitarbeitende mit Acta Nova. Die restlichen Verwaltungseinheiten werden bis Ende 2020 folgen. Acta Nova bietet den Mitarbeitenden die Möglichkeit, ihre Geschäftsprozesse durchgängig und digital in einem System zu bearbeiten. Da die ganze Bundesverwaltung das gleiche System einsetzt, können Mitarbeitende organisationsübergreifend in einen Geschäftsprozess eingebunden werden. 

Wie das in der Praxis funktioniert, erfuhren die Teilnehmenden am Beispiel der Erteilung von Funkkonzessionen. Über ein Webportal können Funkamateure künftig ihre Lizenz beim Bundesamt für Kommunikation (BAKOM) beantragen. Der Antrag wird danach in Acta Nova den zuständigen Sachbearbeitenden zur Bearbeitung zugewiesen. Bis zum Abschluss des Geschäftsfalls erfolgt die Bearbeitung in Acta Nova. 

Stabiles Kernsystem für die digitale Transformation

SUPERB und ERP Systeme V/ar – diese zwei Abkürzungen stehen für das aktuell grösste Informatikvorhaben in der Bundesverwaltung. Roger Schmid, Programmleiter SUPERB beim ISB und Norbert Schwaller, Programmleiter ERP Systeme V/ar beim VBS, haben dem Publikum die Chancen und Herausforderungen der beiden strategischen Programme nähergebracht. 

Die zivile Bundesverwaltung wie auch die Armee setzen für die Supportprozesse (HR, Finanzen, Logistik) SAP-Systeme ein. Die bisherige Version ist am Ende ihres Lebenszyklus. «Bei der Nachfolgeversion SAP S/4HANA ist alles komplett neu», informierte Roger Schmid. «Statt die bestehenden Supportprozesse einfach 1:1 in die neue SAP-Umgebung zu übernehmen, nutzen wir die Chance, sie zu harmonisieren und zu vereinfachen.» Künftig komme für die Bundesverwaltung, inklusive der zivilen Bereiche des VBS, ein gemeinsames System zum Einsatz. Ein davon entkoppelbares, einsatzrelevantes System werde für die Supportprozesse der Armee aufgebaut. 

Wie wichtig diese Systeme sind, zeigen einige Kennzahlen: Rund 1.2 Millionen Zahlungen werden pro Jahr darüber abgewickelt, circa 450 000 Lohnrechnungen ausgestellt und 3400 Gebäude bewirtschaftet. Viele Fachanwendungen haben zudem Schnittstellen zur SAP-Landschaft und nutzen deren Teilfunktionen. Mit der Erneuerung entsteht ein stabiles, modernes Kernsystem für die digitale Transformation der Bundesverwaltung. 

Gemeinsam gegen Bedrohungen im digitalen Raum

Von grösster Bedeutung ist die Sicherheit der IT-Infrastruktur der Bundesverwaltung. Fast täglich lesen wir von Cyberangriffen gegen Unternehmen und Organisationen. Damit der Bund vor Angriffen im digitalen Raum geschützt ist, arbeiten verschiedene bundesinterne Sicherheitsorganisationen eng miteinander zusammen. Monica Ratte, Informatiksicherheitsbeauftragte des Bundes beim ISB, Christoph Ehret, Chef milCERT a.i. bei der FUB, Hans Rudolf Hänni, Leiter CSIRT beim BIT sowie ein Analytiker beim GovCERT von MELANI boten einen Einblick in ihre tägliche Arbeit zum Schutz der IT vor Cyberangriffen. Am Beispiel einer jüngsten Angriffswelle, von der verschiedene Unternehmen betroffen waren, zeigten sie, wie die Angreifer vorgehen und welchen Schaden sie anrichten. 

Sich gegen solche Angriffe zu wappnen gelingt nur dann, wenn die Sicherheitsorganisationen eng zusammenarbeiten und ihre Erkenntnisse teilen. Dazu dient auch eine gemeinsame Plattform, auf der Vorfälle und Logdaten erfasst und mit anderen Vorfällen abgeglichen werden. Die Erkenntnisse dieser Analysen können dann präventive Massnahmen wie die Sperrung von infizierten Webseiten zur Folge haben, dienen aber auch der Erkennung von Angriffen. 

Rasch umsetzen, was den grössten Nutzen verspricht

Zum Abschluss der Tagung diskutierten Vizekanzler Viktor Rossi, Laurent Perriard, stellvertretender Direktor der Konsularischen Direktion im EDA, Florian Schütz, Delegierter des Bundes für Cyber-Sicherheit im GS-EFD, Dirk Lindemann, Direktor des BIT und Divisionär Thomas Süssli, Chef der FUB (ab Anfang 2020 neuer Chef der Armee) über Erfolgsfaktoren der digitalen Transformation in der Bundesverwaltung. Die Podiumsteilnehmer waren sich einig, dass die digitale Transformation nur dann gelingt, wenn die Fachämter mit der IT sie gemeinsam anpacken. Es brauche den Mut, mit Unsicherheiten umzugehen und die digitale Transformation rasch und in konkreten, kleinen Schritten anzugehen. 

Die Präsentationen und Impressionen der Tagung Bundesinformatik 2019 finden Mitarbeitende der Bundesverwaltung auf der Intranetseite des ISB.

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Peter Fischer, Delegierter Informatiksteuerung des Bundes, Laurent Perriard, stellvertretender Direktor der Konsularischen Direktion im EDA, Vizekanzler Viktor Rossi, Dirk Lindemann, Direktor BIT, Divisionär Thomas Süssli, Chef der FUB (ab Anfang 2020 neuer Chef der Armee) und Florian Schütz, Delegierter des Bundes für Cyber-Sicherheit (v. l. n. r.)

Die Tagung Bundesinformatik wird von den IT-Leistungserbringern IT-EDA, Informatik Service Center ISC-EJPD, Führungsunterstützungsbasis FUB, Bundesamt für Informatik und Telekommunikation BIT, Information Service Center WBF ISCeco gemeinsam mit dem Informatiksteuerungsorgan des Bundes ISB organisiert.


Kontakt beim ISB: 

Gisela Kipfer

Kommunikationsverantwortliche ISB
Tel.: 058 465 04 64

Text: Daniel Wunderli 

 

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