Wie in DevOps-Teams Kunden zu Partnern werden

Im Rahmen der DevOps-Transformation des BIT sind die ersten Sensibilisierungs-Kampagnen abgeschlossen und zusammen mit dem Bundesamt für Statistik ein DevOps-Team für SBER aufgestellt worden. Im zweiten Teil der DevOps-Trilogie geht der «Eisbrecher» auf diese Schritte ein.    

Die Fragen nach dem «Warum?», dem «Was?» und dem «Wie überhaupt?» sind die Basis für das Verständnis von etwas Neuem. Das BIT als Teil der Bundesverwaltung geht eine DevOps-Transformation an (vgl. «Eisbrecher» Nr. 72) und nimmt auf dieser Reise seine Mitarbeitenden und Kunden mit. Die Mitglieder des DevOps-Change-Teams haben über die eingangs erwähnten Kernfragen ein Grundgerüst für den Aufbau von DevOps-Wissen für die BIT-Mitarbeitenden konzipiert und auf einer internen Website Inhalte für den DevOpsSurvivalGuide@BIT zusammengestellt. «Der SurvivalGuide ist die Bettlektüre des BIT, das die DevOps-Transformation beschreibt», sagt Cédric Moullet, Schirmherr des DevOps-Change-Teams und Leiter Businessanalyse und Lösungsarchitektur im BIT. «Es ist die Referenz für die Implementierung von DevOps-Teams. Der SurvivalGuide lebt und entwickelt sich im Einklang mit dem Wissen, welches das BIT vermittelt.»

SurvivialGuide

Mit DevOps hält neben einem Kultur- und Organisationswandel auch eine neue Art des Denkens Einzug. Das BIT spricht nicht mehr von Kunden, sondern von seinen Partnern. «Wir vom BIT arbeiten eng mit unseren Partnern zusammen. Mit ihnen gestalten wir die digitale Zukunft des Bundes mit. Gemeinsam bilden wir interdisziplinäre und effiziente DevOps-Teams, die mit modernsten Technologien Prozesse automatisieren und schnell neue Lösungen entwickeln. In diesem Umfeld können wir gemeinsam rasch auf Veränderungen reagieren und uns ständig verbessern», heisst es auf den ersten Seiten des SurvivalGuides. So erfährt der Leser nicht nur, dass das BIT mit den DevOps-Teams* die Partnerschaft und Verantwortung leben möchte, sondern auch dynamisch in den Prozessen und attraktiv als Arbeitgeber ist.

Diese Dynamisierung entsteht durch die Orientierung an flexiblen Arbeitsmodellen, agilen Entwicklungszyklen und automatisierten Prozessen. So können Produkte und Lösungen schnell verfügbar gemacht werden, um Verbesserungen und Änderungen für das Geschäft unmittelbar zu realisieren. Diese Arbeitsweise ist für Mitarbeitende attraktiv, weil das BIT so die interdisziplinäre Zusammenarbeit fördert und Räume für persönliche und individuelle Weiterentwicklung schafft.

DevOps-Manifest@BIT

In Anlehnung an das Agile-Manifest hat das BIT ein eigenes DevOps-Manifest verfasst. Es beschreibt, wie das BIT bessere Produkte entwickeln und auch anderen zu besseren Produkten verhelfen kann.

  • Kleine Schritte statt «big bang»
    Wir liefern schnell und was funktioniert nehmen wir frühzeitig und selbst in Betrieb.
    You build it, you run it, you break it, you fix it.
  • Wir bauen einfache Lösungen, wir machen Kompliziertes einfach.
    Wir automatisieren und lassen für uns arbeiten.
    «Infrastructure as Code» - Wir devopsen** über alle Schichten.
  • Wir übernehmen Verantwortung, wir sind stolz.
    Wir arbeiten vernetzt, egal wo, egal aus welchen Bereichen und Stufen.
    Wir begeistern unsere Partner.
  • Wir geben uns nicht schnell zufrieden, wir hören auf unsere Partner.
    Wir suchen und geben ehrliches Feedback, und nehmen Partner-Feedback ernst.
    Wir lernen aus Fehlern.

Ebenfalls erfährt der Leser beim Durchklicken des SurvivalGuides, dass im BIT zwei Arten von DevOps-Teams existieren werden: Infrastruktur-DevOps-Teams und Partner-DevOps-Teams. Infrastruktur-DevOps-Teams entwickeln und betreiben Infrastruktur-Lösungen, -Services und -Produkte und stellen diese für die weitere Nutzung zur Verfügung. Die Infrastruktur-DevOps-Teams sorgen für einen soliden Aufbau innerhalb des BIT und gute Lösungen, Services und Produkte, die im BIT oder auch bei den Partnern wiederverwendet werden können. Die Teams werden mit agilen Methoden wie Scrum und SAFe arbeiten.

Die Partner-DevOps-Teams entwickeln und betreibt Lösungen, Services und Produkte für einen bestimmten Partner. Der Partner ist Teil des DevOps-Teams und steuert aktiv und kontinuierlich wie die Lösung aussieht, was als nächstes entwickelt wird. Auch diese Teams arbeiten mit agilen Methoden wie Scrum und SAFe.

Das Partner-DevOps-Team SBER

Wie die Zusammenarbeit eines Partners mit dem BIT konkret aussieht, zeigt das DevOps-Team für die Fachanwendung SBER des Bundesamts für Statistik (BFS). SBER (Swiss Business and Enterprise Register) ist das Register, welches sich aus der Erneuerung des Betriebs- und Unternehmensregisters (BUR) ergab (vgl. Artikel zu SBER in dieser Ausgabe). Es umfasst alle Unternehmen und Betriebe des privaten und öffentlichen Rechts, die in der Schweiz angesiedelt sind und eine wirtschaftliche Tätigkeit ausüben. Die Statistiken lassen Aussagen über die wirtschaftlichen Aktivitäten von Firmen in der Schweiz zu. SBER erlaubt ein breites Spektrum an Analysen. Die Fachanwendung ging am 1.12.2018 in den Betrieb und wird über die kommenden Jahre permanent weiterentwickelt. Das BFS möchte deshalb in der Lage sein, schneller neue Releases produktiv zu setzen und wünscht sich für Weiterentwicklung und Betrieb einen Ansprechpartner bzw. ein zuständiges Team. Aus diesem Grund haben BFS und BIT das SBER-DevOps-Team aufgebaut. Das BFS stellt dabei Business Analysten und den Product Owner und übernimmt somit die fachliche Verantwortung. Von Seiten BIT sind es fünf Entwickler, ein Scrum-Master, ein Datenbank-Engineer und zwei Business-Requirements-Engineers.

Momentan treibt das DevOps-Teams vor allem das Thema Automatisierung voran. «Das Team versucht, sämtliche Leistungen zu automatisieren, die automatisiert werden können. Es stellt nebst der Weiterentwicklung und Wartung der Anwendung auch den Betrieb sicher auf der Betriebsplattform des BIT», erklärt Dimitrios Diamantis, Leiter Business Analyse. Als Mitglied des DevOps-Change-Teams des BIT hat Dimitrios Diamantis die Betreuung der DevOps-Zusammenarbeit mit dem BFS unter sich. Für ihn sind die Vorteile klar ersichtlich: Es kommt alles aus einer Hand. Ein Team hat die Verantwortung über den gesamten Lebenszyklus der Anwendung. Know-how-Verlust wird auf ein Minimum reduziert, da das Team den Know-how-Erhalt sicherstellt.

Die bislang durchwegs positiven Ergebnisse haben das BFS dazu bewogen, beim BIT abklären zu lassen, ob das DevOps-Modell von SBER auch für die weiteren Register eingesetzt werden könne.

Andere Kunden des BIT können von den Erfahrungen, die das BIT derzeit macht, profitieren. «Fragen, die das BIT für SBER geklärt und erarbeitet hat, liegen für die künftigen Projekte und Kunden-DevOps-Teams pfannenfertig vor, z. B. die Regelung von Pikettdiensten», sagt Dimitrios Diamantis und fügt aber gleichzeitig hinzu: «DevOps SBER funktioniert, weil BFS und BIT-Mitarbeitende das gleiche Ziel verfolgen und sich auch als Team sehen. Es braucht Mut, neue Wege zu gehen.» Gleich sieht man es auch beim BFS: «Wir sind in den vier Jahren agiler Zusammenarbeit bei der Entwicklung von SBER zu einem starken Team gewachsen», sagt Product Ownerin Natalia Dorontsova. «Mit dem gleichen Elan wollen wir nun im DevOps-Team die Anwendung in den nächsten Jahren weiterentwickeln.

Welche Erfahrungen weitere Bundesämter mit DevOps-Teams gemacht haben und welche Erfolge diese Teams bereits vorweisen können erfahren Sie im 3. und letzten Teil der DevOps-Trilogie.

*In den DevOps-Teams arbeiten Entwickler, Betriebs- und Testspezialisten, Engineers und die Partner aus der Bundesverwaltung auf Augenhöhe eng zusammen.

** Devopsen = konzipieren, entwickeln, unterhalten, deployen und betreiben



BIT-Kontakt:

Cédric Moullet
Leiter Businessanalyse und Lösungsarchitektur
Tel.: 058 467 40 63

Text: Rinaldo Tibolla

 

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